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Diese Übersicht beinhaltet zusätzliche Informationen zu den oben dargestellten Indikatoren, wie eine kurze Definition des Indikators und eine Beschreibung des politisch festgelegten Zielwertes sowie die politische Intention für die Auswahl des Indikators.

Definition
(Text aus dem Indikatoren­bericht 2022 - Stand 31.10.2022)

Materielle Deprivation beschreibt den unfreiwilligen Verzicht auf ausgewählten Konsum aufgrund finanzieller Probleme und den Mangel an bestimmten Gebrauchsgütern aus finanziellen Gründen. Beide Indikatoren geben den Anteil der Personen an der Gesamtbevölkerung an, die als materiell depriviert (1.1.a) bzw. als erheblich materiell depriviert (1.1.b) gelten. Die (erhebliche) materielle Entbehrung trifft für alle Menschen zu, deren Haushalt von neun vorgegebenen Kriterien, welche die finanziellen Einschränkungen des Haushalts widerspiegeln, mindestens drei (erheblich materiell depriviert: mindestens vier) erfüllt.

Ziel und Intention
(Text aus dem Indikatoren­bericht 2022 - Stand 31.10.2022)

Der Indikator „materielle Deprivation“ (auch: materielle Entbehrung) ist auch Teil der ausführlichen Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung. Durch die Identifikation individueller Mangelsituationen soll er zur Abbildung armutsgefährdeter Lebenslagen dienen. Ziel der Bekämpfung „materieller Deprivation“ ist es, dass der Prozentsatz der Personen, die materiell depriviert bzw. erheblich materiell depriviert sind, jeweils unter dem Niveau der Europäischen Union (EU) liegt.

Definition

Die Indikatoren stellen den Anteil der Personen an der Gesamtbevölkerung (in Prozent) dar, der als materiell und sozial depriviert (1.1.a) bzw. als erheblich materiell und sozial depriviert (1.1.b) gilt. Materielle und soziale Deprivation (Entbehrung) beschreibt den unfreiwilligen Verzicht auf ausgewählten Konsum aufgrund finanzieller Probleme und den Mangel an bestimmten Gebrauchsgütern aus finanziellen Gründen. Die (erhebliche) materielle und soziale Entbehrung trifft für alle Menschen zu, deren Haushalt von dreizehn vorgegebenen Kriterien, die die finanziellen Einschränkungen des Haushalts widerspiegeln, mindestens fünf (erheblich materiell und sozial depriviert: mindestens sieben) erfüllt. Sechs der dreizehn Kriterien beziehen sich dabei auf Einzelpersonen und sieben auf den gesamten Haushalt.

Intention

Der Indikator “materielle und soziale Deprivation” (auch: materielle und soziale Entbehrung) soll durch die Identifikation individueller Mangelsituationen zur Abbildung armutsgefährdeter Lebenslagen dienen. Er ist auch Teil der ausführlichen Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung.

Ziel

1.1.a: Anteil der Personen, die materiell und sozial depriviert sind, bis 2030 unter dem EU-Durchschnitt halten
1.1.b: Anteil der Personen, die erheblich materiell und sozial depriviert sind, bis 2030 unter dem EU-Durchschnitt halten

Art des Ziels

1.1.a: Gleichbleibende Zielvorgabe in jedem Jahr
1.1.b: Gleichbleibende Zielvorgabe in jedem Jahr

Umsetzung in der Wetter­symbol­berechnung

Sowohl der Anteil der Personen, die materiell und sozial depriviert sind (1.1.a), als auch der Anteil der Personen, die erheblich materiell und sozial depriviert sind (1.1.b), soll jedes Jahr unter dem entsprechenden Anteil in der EU liegen.

Ausgehend von der Zielformulierung wird für jedes Jahr die Differenz zwischen dem EU-Wert und dem Wert für Deutschland gebildet. Für beide Indikatoren werden (aufgrund methodischer Änderungen am Erhebungskonzept) die Indikatorwerte von 2020 bis 2023 betrachtet.

Die Differenz für Indikator 1.1.a ist für das Jahr 2023 positiv, d. h. der Anteil in Deutschland ist niedriger als der Anteil in der EU. Das politisch festgelegte Ziel ist in 2023 erreicht, aber die Differenz hat sich in den letzten vier Jahren stetig verringert, sodass der Indikator 1.1.a für das Jahr 2023 mit “Leicht bewölkt” bewertet wird.

Die Rate der erheblichen materiellen und sozialen Deprivation (1.1.b) ist für das Jahr 2023 erstmals in Deutschland höher als in der EU. Das politisch festgelegte Ziel wurde in 2023 verfehlt. Da sich die Differenz im Verlauf der letzten vier Jahre stetig verringert hat und sich der Indikator 1.1.b bei einer Fortsetzung des Verlaufs weiter verschlechtern würde, wird er für das Jahr 2023 mit “Gewitter” bewertet.

Hinweis: Der Bezug auf die Anteile in der EU als Zielgrößen bedeutet, dass die Indikatoren positiv bewertet werden können, auch wenn sich die Anteile der (erheblich) materiell und sozial deprivierten Bevölkerung in Deutschland erhöht haben.

Bewertung

1.1.a: Wettersymbol Leicht bewölkt
1.1.b: Wettersymbol Blitz

Datenstand

15.01.2025

Text aus dem Indikatorenbericht 2022 - Stand 31.10.2022

Die Daten stammen aus der europaweit harmonisierten jährlichen Statistik über Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC), die ab dem Erhebungsjahr 2020 aufgrund der zunehmenden Anforderungen an die Daten hinsichtlich der Aktualität und Bereitstellung tiefer regionaler Ergebnisse mit weitreichenden methodischen Änderungen in den Mikrozensus integriert worden ist. Dadurch sind die Ergebnisse ab 2020 nicht mit denen der vorherigen Erhebungsjahre vergleichbar.

Als Kriterien, die zur Beschreibung materieller Entbehrung dienen, wurden Ausgaben für eine Lebensführung ausgewählt, die in Europa als angemessen, wünschenswert oder gar notwendig angesehen werden. Diese sind für alle Länder, in denen EU-SILC durchgeführt wird, einheitlich und ermöglichen somit einen europaweiten Vergleich. Materielle Entbehrung liegt nach der Definition für EU-SILC dann vor, wenn aufgrund der Selbsteinschätzung des Haushalts mindestens drei (erhebliche materielle Entbehrung: mindestens vier) der folgenden neun Kriterien erfüllt sind:

1. Finanzielles Problem, die Miete, Hypotheken oder Rechnungen für Versorgungsleistungen rechtzeitig zu bezahlen.

2. Finanzielles Problem, die Wohnung angemessen heizen zu können.

3. Finanzielles Problem, unerwartete Ausgaben in einer bestimmten Höhe aus eigenen finanziellen Mitteln bestreiten zu können.

4. Finanzielles Problem, jeden zweiten Tag Fleisch, Fisch oder eine gleichwertige vegetarische Mahlzeit einnehmen zu können.

5. Finanzielles Problem, jährlich eine Woche Urlaub woanders als zu Hause zu verbringen.

6. Fehlen eines Pkw im Haushalt aus finanziellen Gründen.

7. Fehlen einer Waschmaschine im Haushalt aus finanziellen Gründen.

8. Fehlen eines Farbfernsehgeräts im Haushalt aus finanziellen Gründen.

9. Fehlen eines Telefons im Haushalt aus finanziellen Gründen.

Bis zum Jahr 2019 gingen im Zeitverlauf die Anteile der Bevölkerung, sowohl die von materieller als auch die von erheblicher materieller Entbehrung betroffen ist, in Deutschland wie in der gesamten Europäischen Union (EU) leicht zurück. Dabei lagen die Werte für Deutschland stets deutlich unter denen der EU.

Im Jahr 2020 waren in Deutschland 13,4 % der Bevölkerung von materieller Entbehrung betroffen. Der Wert liegt damit knapp über dem Wert für die EU-Bevölkerung von 13,3 %, der für 2020 vom statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) erstmals ohne das Vereinigte Königreich (Brexit) gerechnet worden ist. Daher und auf Grund der oben genannten methodischen Änderungen am Erhebungskonzept ist der Wert nur eingeschränkt mit den Vorjahreswerten vergleichbar.

Auch nach EU-Austritt des Vereinigten Königreichs und methodischen Anpassungen der Erhebung lag die Rate der von erheblicher materieller Entbehrung Betroffenen in Deutschland 2020 mit 5,6 % weiterhin unterhalb des Wertes für die EU von 5,9 %. Damit wurde das Ziel der Bundesregierung im Falle der erheblichen materiellen Entbehrung knapp erreicht.

Im Rahmen der Erstellung der Europa 2030-Ziele hat der Indikator zur „Rate der (erheblichen) materiellen Deprivation“ in der EU eine Neudefinition und Erweiterung erfahren, indem nun auch zusätzliche Kriterien zur sozialen Entbehrung berücksichtigt werden. Auf europäischer Ebene werden zukünftig nur noch die Indikatoren „Rate der (erheblichen) materiellen und sozialen Deprivation“ bereitgestellt werden. Daher wird bei der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie eine Anpassung der Ziele und der Indikatoren zur (erheblichen) materiellen Deprivation notwendig.